Corona verändert den Handel - was bedeutet das 2021 für den Zahlungsverkehr?

Der digitale Markt wurde schon immer von bargeldlosen Bezahlverfahren dominiert. Doch auch im stationären Handel verliert bares Geld schon seit einiger Zeit Marktanteile. Durch die Corona-Pandemie und das damit verbundene neue Hygienebewusstsein, das nahezu reflexiv Dinge ablehnt, die häufig die Hände wechseln, wurde dieser Trend sogar noch verstärkt. Überall sind Lösungen gefordert, die kontaktlose, sichere und einfache Zahlungen ermöglichen.

Bargeld ist immer weniger gefragt - nicht erst durch Corona!

Studien der deutschen Bundesbank zeigen: Zwischen 2008 und 2017 ist der Marktanteil von Bargeld, gemessen am Gesamtumsatz im Handel, um mehr als ein Sechstel gesunken. Abgelöst wurde es neben den bereits bekannten Debit- und Kreditkarten, die ihren Marktanteil um mehr als die Hälfte steigern konnten, von neuen Bezahlverfahren wie Mobile-Payment-Lösungen.

Gründe für diesen Trend liegen in der steigenden Digitalaffinität der Bevölkerung sowie dem technologischen Fortschritt. So bestand vor rund einem Jahrzehnt noch eine recht eindeutige Trennung zwischen dem digitalen und lokalen Handel, die sich auch bei den Zahlungsmitteln bemerkbar machte: Bargeld und EC-Karten für den stationären Handel, Kreditkarten und digitale Zahlungsmittel für den Onlinehandel. Mit der zunehmenden Digitalisierung des Alltags verschwimmen solche Grenzen jedoch fortwährend. Immer mehr Händler setzen auf Alternativen zum Bargeld; Kunden favorisieren lokale Geschäfte, die bei der Zahlung den im Onlinehandel längst üblichen Komfort bieten.

Inzwischen kommen durch Corona jedoch auch hygienische Bedenken hinzu, wenn es um Bargeld geht. Das belegt eine Studie der Consulting-Agentur BearingPoint. Dieser zufolge betrachten 94 % der Deutschen Bargeld nicht länger als hygienisch sicher, während 29 % sich sogar innerhalb der nächsten 10 Jahre einen Alltag komplett ohne Bargeld vorstellen könnten.


Mobile Payment als Alternative zur Geldkarte

Bezahlen mit dem Smartphone - was vor einigen Jahren noch nach Zukunftsmusik klang, hat inzwischen den Sprung in unseren Alltag geschafft und gewinnt weiter Marktanteile. Tragend dafür ist die damit verbundene Flexibilität: So können altbewährte Zahlungsmethoden wie Kreditkarten oder Lastschriftverfahren mit den Mobile-Payment-Apps der meisten Anbieter verknüpft werden, was die Bezahlung mit diesen zusätzlich erleichtert indem es die Aufladung von Prepaid-Guthaben überflüssig macht.

Dieses Modell verspricht weiteren Erfolg: Waren es 2017 noch rund 400000 Nutzer weltweit, die ihr Smartphone als Zahlungsmittel nutzten, so prognostiziert die Marktforschungsagentur Statista bis 2024 eine Zunahme auf 19,5 Millionen Nutzer, die ein jährliches Transaktionsvolumen von insgesamt 45,5 Milliarden Euro generieren sollen.


Online-Bezahlverfahren verdrängen die Überweisung

Ein den Mobile Payments nicht unähnliches Modell bieten Payment-Plattformen wie PayPal. Auch diese ermöglichen durch die Verknüpfung von Bankkonten und Kreditkarten mit ihrer Plattform eine schnelle und sichere Zahlung, bei der die Buchung einzig und allein über den Dienstleister abgewickelt wird; der Empfänger erhält also keinen Zugriff auf die Daten des Zahlungsträgers. Gerade die jüngeren, technikaffinen Generationen wissen solche Vorteile zu schätzen, wodurch Early Adopter langfristig treue Kunden gewinnen können.


Sprachassistenten könnten den Zahlungsverkehr automatisieren

Smart Speaker wie Amazons Alexa sind inzwischen in schätzungsweise jedem 10. Haushalt vorhanden und machen das Leben einfacher, indem sie neben der Steuerung von Multimedia-Systemen auch Suchanfragen und sogar Online-Käufe per Sprachsteuerung ermöglichen. Der Zuverlässigkeit, die sie seit 2014 bewiesen haben, folgt auch steigendes Vertrauen: Schon 2018 gaben 28 % der Verbraucher in einer Studie der Statista an, sie seien bereit, auch Zahlungen über Sprachassistenten abzuwickeln. Nun gilt es für die Hersteller solcher Geräte, durch entsprechende Schnittstellen dieses Potenzial auszuschöpfen.


Bitcoin und Co. im Aufschwung

Noch vor einigen Jahren waren Kryptowährungen stark angeschlagen. Nach einem Crash im Jahr 2018 sind die Kurse der digitalen Zahlungsmittel jedoch stärker denn je. Das liegt nicht zuletzt an einem Umdenken bei Händlern und Verbrauchern, die die Vorteile der digitalen Währung für sich entdeckten. Ein weiterer Faktor, der die Rennaissance der Cryptocurrency begünstigt, ist der technologische Fortschritt: Digital Wallets, QR-Codes und Vanity-Wallet-URLs ermöglichen einen sicheren und unkomplizierten Transfer, während große Unternehmen wie VISA den Fortschritt der Blockchain-Technologie weiter vorantreiben.


Vielfalt ist gefragt - der Handel muss liefern!

Zu guter Letzt ist für Händler entscheidend, nicht alles auf eine Karte zu setzen; zwar sind Technologien wie Mobile Payments oder Kryptowährungen alleine nützlich, jedoch glänzen sie besonders, wenn sie sich gegenseitig ergänzen. Verbraucher kaufen zudem bevorzugt bei Händlern, die ihre präferrierte Zahlungsform akzeptieren, weshalb es umso wichtiger ist, sich mit dieser Materie zu befassen und die Weichen für eine breite Palette an Zahlungsmöglichkeiten zu stellen.

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