Progressive Web App – der Kniff des perfekten Mobile Shops

Eine App will heute kaum noch ein Shopbetreiber entwickeln lassen und die User sind zwiespältig. Der Komfort in einer App ist deutlich besser aber es gibt viele Gründe keine App zu installieren. Eine geniale Lösung: Progressive Web App

Iris Lamprecht

Ein kleiner Blick in Google Analytics oder econda verrät, dass längst ein großer Teil der E-Commerce-Transaktionen vom Smartphone aus stattfinden. Von unterwegs genauso, wie von zu Hause, in Lean-Back-Situationen wie auf dem Sofa. Nicht nur Produktrecherche und kleinere Käufe, auch größere Bestellungen werden inzwischen zunehmend von mobilen Devices aus ausgelöst. Dass den Kundinnen und Kunden dabei ein möglichst einfaches Nutzungserlebnis geboten werden sollte, versteht sich von selbst. Lange Ladezeiten, unübersichtliche Menüs oder nicht dargestellte Inhalte bei Verbindungsproblemen sorgen für reale Umsatzeinbußen. Schlimmstenfalls sehen Sie dadurch unzufrieden gestimmte Käuferinnen und Käufer nie wieder. Die eigene App war für manche Shopbetreiber eine Vision, um den Shop zuverlässig und mit hoher Performance auf die Smartphones der Endkundinnen und -kunden zu bringen. Der Nachteil: Die Entwicklung ist teuer und die Nutzerinnen und Nutzer zur Installation zu bewegen fällt nicht immer leicht.

Schlecht programmierte E-Commerce-Apps, die aus nicht viel mehr als einer Reihe von Seiten bestehen, haben in den letzten Jahren zu einer gewissen App-Müdigkeit geführt. Klar, Aboutyou, Zalando und natürlich Amazon gelingt es auch weiterhin, die eigene Kundschaft zur App-Installation zu bewegen, doch kleinere Shops stehen vor einem Dilemma. Einerseits wird von den Kundinnen und Kunden der Komfort einer nativen App erwartet, andererseits lohnen die Kosten der Entwicklung nur selten. Sogenannte Progressive Web Apps (PWAs) können einen Ausweg aus dieser Situation darstellen.

App-Müdigkeit macht die eigene App sinnlos

Häufig ist im Bereich Marketing und E-Commerce von sogenannten mentalen Transaktionskosten die Rede. Nutzerinnen und Nutzer zu motivieren, sich auf einer Seite anzumelden oder eine App herunterzuladen ist nicht immer einfach. Auch wenn das Angebot grundsätzlich kostenlos ist, schrecken viele vor dem zusätzlichen Aufwand der Einrichtung zurück. Hinzu kommen bei der Installation von Anwendungen Bedenken bezüglich der Sicherheit des Programms und die Sorge, das eigene Endgerät durch den Speicherbedarf zu überlasten – zu dieser Erkenntnis führte auch eine von www.focusgroups.io
durchgeführten Online Fokusgruppe.

Vor zehn Jahren, als mobile Apps noch einen Neuigkeitswert hatten, wurden derartige Zweifel oft beiseitegeschoben. Der Drang, neue Möglichkeiten des Smartphones auszuprobieren, überwog. „There's an app for that“: Den Slogan aus einem Apple-Werbespot der späten 2000er-Jahre hatten viele Smartphonenutzerinnen und -nutzer eine ganze Weile verinnerlicht. Mittlerweile hat sich das aber verändert: Zu viele der installierten Programme haben sich als nicht nachhaltig erwiesen. Das sogenannte „Relevant Set“ täglich genutzter Apps beschränkt sich bei den meisten inzwischen auf drei bis zehn Anwendungen. Im Monatsschnitt werden zwar ein paar Applikationen mehr verwendet, als kleiner Online-Shop dazuzugehören, ist aber mittlerweile gut wie unmöglich geworden. Auch in den App-Stores der beiden großen Smartphoneplattformen überhaupt noch gefunden zu werden, wird immer schwieriger. Mehrere Millionen Apps, die dort zur Verfügung stehen, buhlen um die Gunst der Benutzerinnen und Benutzer.

So funktionieren Progressive Web Apps

Die hohen initialen Entwicklungskosten einer App und der Aufwand bei deren langfristiger Pflege, haben daher viele Shopbetreiber dazu bewogen, sich auf die Bereitstellung ihrer mobilen Shops zu konzentrieren. Mit HTML5 und modernen Entwicklungsframeworks lassen sich mobile Shops inzwischen optisch in einer Form gestalten, die nativen Apps gleichkommt. Kein Wunder: Sowohl auf Android als auch iOS werde viele User-Interfaces ohnehin mit den typischen Webentwicklungssprachen HTML, Javascript und CSS programmiert.

Zunächst ist eine Progressive Web App nicht viel mehr als eine normale, mobile Website, die über den Webbrowser der Wahl aufgerufen wird. Experten gehen davon aus, dass viele der Anwendungen, die wir heute auf unseren Smartphones nutzen in Zukunft durch PWAs ersetzt werden. Auch auf dem Desktop erhalten Progressive Web Apps allmählich Einzug. Googles Browser Chrome erlaubt dort die Installation angepasster Websites schon heute. Da PWAs wesentlich sicherer sind als nativ installierte Apps, ist auch keine Freigabe der App oder von Updates durch Google oder Apple notwendig. Das vereinfacht den Entwicklungsprozess erheblich. Gleichzeitig wird das Benutzungserlebnis für die Anwenderinnen und Anwender glatter und einfacher als mit einer herkömmlichen Shops. Da auch Progressive Web Anwendungen die Möglichkeit haben, auf die üblichen Schnittstellen des Smartphones zuzugreifen, ist es kein Problem, den vollständigen Funktionsumfang einer klassischen Smartphone-Anwendung nachzubauen. Push-Notifications, GPS-Lokalisierung oder Kamerazugriff sind so mit PWAs ohne weiteres möglich.

Ausblick

Der Ausblick ist simpel: