Retail wird digital - Wie aktuelle Zahlungstrends den Einzelhandel verändern

Die Nachfrage nach digitalen Zahlungsmitteln steigt. Von besonderem Interesse: Mobile-Payment-Lösungen, die über Near Field Communication (NFC) die Zahlung mit mobilen Endgeräten wie Smartphones, Tablets oder Smartwatches möglich machen. Auch im Einzelhandel vor Ort, am sogenannten Point of Sale (POS), sind solche Systeme inzwischen sehr gefragt.

Kein forcierter Ersatz, sondern sinnvolle Alternativen

In Deutschland haben es neue Technologien oft schwer: Gerade im Zahlungsverkehr ist vor allem Sicherheit gefragt, weshalb sich Bodenständige weiter auf altbekannte Lösungen wie girocard oder Kreditkarte verlassen. So gaben in einer Studie des Retail Institute und des HDE Handelsverband Deutschland 75 % der Befragten an, nach wie vor klassische Zahlungsmittel zu bevorzugen. Trotz solcher Bedenken prognostiziert die Studie jedoch einen maßgeblichen Anstieg des Marktanteils mobiler Zahlungsverfahren innerhalb der nächsten fünf Jahre. Treibende Kraft dahinter sind die jüngeren, technikaffinen Generationen, eher dazu neigen, sich eingehend zu informieren und der Technik zu vertrauen.

Dennoch wird angeraten, Kunden zusätzliche Anreize zum Umstieg auf mobile Wallets zu bieten, zum Beispiel durch Bonusprogramme oder indem die Abwicklung an der Kasse beschleunigt wird (beispielsweise durch Schnellkassen für Nutzer von mobile Wallets). Umgekehrt sei es jedoch wenig ratsam, andere Zahlungsmittel zugunsten mobiler Bezahlverfahren unbillig zu benachteiligen.

Gefragt ist ein Mittelweg, der neben rein digitalen Zahlungswegen auch im Onlinehandel populäre Zahlungsmethoden wie die Zahlung auf Raten oder auf Rechnung auch am POS verfügbar macht. Die notwendige Technologie existiert bereits: Sowohl Kunden-Apps als auch Kassenterminals bieten Schnittstellen, die die Integration solcher Funktionen ermöglichen.


Immer mehr Händler fahren zweigleisig

Auch Omni-Channel-Konzepte sind im Kommen. Besonders einkommensstarke Haushalte und Kunden zwischen 16 und 39 Jahren schätzen es, im Laden zusätzliche Produktinformationen mit dem Smartphone abrufen oder Waren online reservieren bzw. bestellen und im Laden abholen zu können.

Dieser Trend verwischt weiter die Grenze zwischen Online-Handel und dem POS, während der "Retail Report 2021" prognostiziert, dass auch Trends wie die in China bereits etablierten "Ghost Stores" - personallose Geschäfte, in denen Smartphones und Tablets menschliches Personal ersetzen - nach Europa hinüberschwappen. Zudem lässt sich im Einzelhandel eine Zunahme grüner Trends wie Eco-Delivery oder Circular Fashion feststellen, die nicht nur mehr Komfort bieten sondern auch die Umwelt entlasten.


Zahlungsverkehr wird vielfältiger - Händler müssen Offenheit zeigen

Klassische Zahlungsmittel werden so bald nicht verschwinden, das sollte klar sein. Deshalb macht es auch Sinn, diese weiterhin in Multi-Channel-Strategien einzubinden. Ebenso wichtig ist allerdings, sich dem Fortschritt anzupassen und in Zukunft mehr digitale Bezahlverfahren auch am POS anzubieten. Diese haben neben erhöhter Flexibilität auch den Vorteil, dass Synergien zwischen einzelnen Verfahren möglich werden. Beispielsweise können mobile Wallets mit Lastschriftverfahren oder Kreditkarten verknüpft oder mit dem Pay-By-Link-Verfahren die Zahlung auf Rechnung direkt am Smartphone oder Tablet abgewickelt werden. So bleiben bodenständigen Kunden die vertrauten Zahlungsmittel erhalten, während gleichzeitig die Akzeptanz digitaler Bezahlverfahren steigt.


Early Adopter haben im digitalen Zahlungsverkehr die Nase vorn

Experten des Marktforschungsinstituts Statista sagen in den kommenden Jahren einen starken Anstieg sowohl der Nutzer von mobile Payments als auch des Transaktionsvolumens pro Kopf voraus. Begründet liegt dies unter anderen darin, dass zahlreiche namhafte Unternehmen wie Google, Apple oder Samsung inzwischen eigene Mobile-Payment-Systeme anbieten, was das Vertrauen der Verbraucher in die Technologie stärkt.

Besonders der Einzelhandel kann von diesen starken Partnern profitieren: Durch Echtzeit-Bonitätsprüfungen wird effektiv Zahlungsausfällen durch Rückbuchungen vorgebeugt, während die weite Verbreitung von Systemen dieser Unternehmen zur flächendeckenden Akzeptanz von mobilen Bezahlverfahren beiträgt.

Dieser Trend der Mobile Payments wird in den kommenden Jahren voraussichtlich Triebfeder weiterer Entwicklungen sein, die einen kontaktlosen und sicheren Zahlungsverkehr gewährleisten und im durch die Corona-Pandemie geprägten neuen Hygienebewusstsein unerlässliche Alternativen zum Bargeld schaffen.

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