Trends der Reisebranche 2021 - Warum digitale Bezahlverfahren in Zukunft unerlässlich sein werden

In den vergangenen Jahren hat, nicht zuletzt wegen der Corona-Pandemie, ein Umdenken im Zahlungsverkehr stattgefunden: Traditionelle Zahlungsmittel wie Bargeld oder Banküberweisungen verlieren Marktanteile, während der Trend in Richtung bequemerer Online-Bezahlverfahren geht. Die Reisebranche ist davon besonders stark betroffen. Immerhin nahm im Jahr 2020 die Reisebegeisterung bedingt durch Corona stark ab. Auch wenn diese Tendenz sich inzwischen dank groß angelegter Impfkampagnen ein wenig umkehrt, werden viele Trends, die in dieser Zeit an Bedeutung gewannen, auch weiterhin bestehen bleiben.

Millenials reisen und zahlen anders als die älteren Generationen

Treibende Kraft hinter den Veränderungen der Zahlungslandschaft ist die technikaffine Generation der Millenials. Im Gegensatz zu den über 55-Jährigen reisen diese spontaner, buchen später und nutzen mehr verschiedene Zahlungsmittel. So fand „Frictionless Travel Payments: From Complexity To Competitive Advantage", eine Studie der Sapio Research, heraus, dass eine Mehrheit der Millenials ihre Reisen erst maximal zwei Monate vor Reiseantritt bucht. Neben Last-Minute-Rabatten werden vor allem Sorge um das Reisewetter oder persönliche Risiken als Gründe dafür angeführt, erst so spät zu buchen. Zudem sind sie eher willens, Optionen zur Ratenzahlung der Reisekosten in Anspruch zu nehmen, wodurch der Kostenfaktor bei der Entscheidung für Antritt und Ziel einer Reise weniger ins Gewicht fällt.

Umgekehrt ist ihnen allerdings wichtig, bei den Zahlungsmöglichkeiten ähnlich flexibel zu bleiben wie es im e-Commerce der Fall ist. Dies zeigt sich einerseits darin, dass Millenials von der Buchung einer Reise bis zur Rückkehr im Schnitt vier verschiedene Zahlungsmittel dafür benutzen, andererseits aber auch in dem Fakt, dass sie etwa doppelt so oft wie die ältere Generation einen Buchungsvorgang abbrechen, wenn ihre bevorzugte Zahlungsform nicht unterstützt wird.

Das stellt viele Anbieter vor Schwierigkeiten: Nur 25 % aller Reiseunternehmen sehen sich laut Sapio Research als hinreichend gerüstet, um ausreichend schnelle, einfache und vertrauenswürdige Optionen zur Bezahlung zu gewährleisten.


Digital zahlen ist der neue Trend

Ablösen können die „neuen" Bezahlverfahren die traditionellen Methoden wie Banküberweisungen und Kreditkarten zwar nicht vollständig, an Bedeutung gewinnen sie aber trotzdem. So ist bei der Buchung von Reisen die Zahlung mit Kreditkarte nach wie vor Platzhirsch. Nicht zuletzt wird dies allerdings auch von Anbietern forciert, die bei der Buchung von Leihwagen oft keine Kaution auf Kreditkarten akzeptieren. Während der Reise hingegen setzt gerade die jüngere Generation vermehrt auf Digital Wallets (auch: e-Wallets). Diese sind im e-Commerce bereits seit einigen Jahren verbreitet und bieten eine ganze Reihe Vorteile:

Internationalität: Die größeren e-Wallet-Systeme, darunter PayPal, Apple Pay und Google Wallet, werden von Händlern in den meisten Industrie- und Schwellenländern akzeptiert.

Flexibilität: Die Anbieter vieler e-Wallets stellen neben der reinen Software optional auch physische Karten zur Verfügung, die ähnlich wie Kreditkarten die Buchung von Zahlungen per e-Wallet ermöglichen.

Einfache Benutzung: Über e-Wallets sind Zahlungen von sämtlichen verknüpften Konten oder über Prepaid-Guthaben möglich; dadurch ist man nicht länger gezwungen, ein halbes Dutzend Karten und die dazugehörigen Passwörter parat zu haben.

Sicherheit: Bei der Zahlung mit e-Wallets erhält der Zahlungsempfänger keinen Zugriff auf Kontodaten; sämtliche Buchungen werden vom Betreiber des e-Wallet-Systems ausgeführt.

Am effektivsten sind solche e-Wallets in Kombination mit Mobile-Payment-Lösungen, die die kontaktlose Zahlung mit Smartphones oder Smartwatches ermöglichen. Der zusätzliche Vorteil dieser liegt darin, dass die Bezahlung nicht nur einfach, sondern auch hygienisch wird; ein Faktor, der durch das in der Corona-Krise entstandene neue Hygienebewusstsein noch lange relevant bleiben wird.


Neue Trends stellen Reiseanbieter vor große Herausforderungen - jedoch keine unlösbaren!

Für Reiseanbieter und andere Unternehmen, die vom Tourismus leben, bedeutet das: Schritt halten! Gerade im internationalen Zahlungsverkehr gibt es jedoch klaffende Unterschiede zwischen den Präferenzen von Reisenden unterschiedlicher Nationalitäten, die es zu berücksichtigen gilt. Deshalb wäre es unklug, nur auf e-Wallets zu setzen; auch die Optionen zur Zahlung mit Kreditkarten und Debit- oder girocard-Karten müssen komfortabler, sicherer und einfacher werden, um konkurrenzfähig zu bleiben.


Dazu definierte Sapio Research eine Reihe von Key-Points, die Unternehmen beim Ausbau ihres Zahlungsangebots berücksichtigen sollten. Gefordert sind neben der reinen Ausweitung der Zahlungsoptionen auch eine höhere Transparenz durch automatische Umrechnung von Beträgen in fremder Währung sowie die Erhöhung der Zahlungssicherheit mittels Zwei-Faktor-Authentifizierung, die den Zugang zum Konto nur mit einem zusätzlichen Code ermöglicht. Dieser wird in der Regel per SMS oder App an das Smartphone des Kontobesitzers gesendet und verfällt innerhalb einiger Minuten. Zudem schlägt Sapio Research die Ausweitung von Last-Minute-Angeboten vor, zum Beispiel durch personalisierte Zahlungsmethoden oder Cloud-Integration. Auch sollten mehr Angebote im Voraus buchbar sein, damit Reisenden der Stress erspart wird, vor Ort beispielsweise einen Mietwagen finden oder einen Tisch im Restaurant reservieren zu müssen.

Digitale Bezahlverfahren und neue Formen der Mobilität - ein Wechselspiel

Natürlich existieren die veränderten Zahlungsgewohnheiten nicht im Vakuum; auch die Reise- und Mobilitätsbranche als solche veränderte sich in den letzten Jahren stark. Neben längst eingebürgerten Angeboten wie Vergleichsportalen und Online-Rezensionen erlangen neue Trends wie e-Mobilität oder Car-Sharing verstärkt an Bedeutung. Besonders letzteres ist für Reisende interessant: Ähnlich wie Leihwagen stehen Car-Sharing-Fahrzeuge für einen fest vereinbarten Nutzungszeitraum zur Verfügung, müssen jedoch anders als diese nicht bei der Niederlassung des Anbieters zurückgegeben sondern an einem zuvor vereinbarten Ort abgestellt werden, wo der nächste Nutzer sie abholt. Das ermöglicht größere Flexibilität und ist umweltfreundlicher sowie oft günstiger als die Anmietung eines Autos für die gesamte Dauer der Reise. Ergänzt wird diese Angebotspalette durch Mobilitätsangebote vor Ort wie Mobile-Scooter oder Taxi-Apps.


Die Entwicklung solcher Dienste und die des Zahlungsverkehrs sind übrigens geradezu untrennbar miteinander verbunden; so setzen Dienste, deren größte Vorteile Spontanität und Flexibilität sind, voraus, dass die Zahlung ebenso schnell und einfach abgewickelt werden kann. Das wiederum begünstigt die Akzeptanz neuer, innovativer Bezahlverfahren, wie Mobile Payments. Beispielsweise werden e-Scooter zahlreicher Anbieter heutzutage ausschließlich über die App des Betreibers bezahlt und freigeschaltet, Taxi-Apps ermöglichen die Zahlung in Vorkasse per e-Wallet. Bedingt durch diese Wechselwirkung und die damit verbundene steigende Akzeptanz digitaler Bezahlverfahren fassen diese auch in anderen Bereichen der Reise- und Mobilitätsbranche Fuß. AirPlus und die Association of Corporate Travel Executives (ACTE) gehen auf Grundlage ihrer Marktforschung sogar davon aus, dass geschäftlich Reisende in näherer Zukunft ausschließlich mit Smartphone oder Smartwatch zahlen werden. Auch „Workations", die unter Freelancern, Selbstständigen und Digital Natives sehr beliebte Kombination von Arbeit und Urlaub, wird in Zukunft stärker an Bedeutung für die Reise- und Mobilitätsbranche gewinnen, weshalb es notwendig ist, schon jetzt die Weichen für flexiblere und sichere Bezahlverfahren zu stellen.

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